Ich wurde bereits 2014 auf den Wikipediaeintrag zu Scientology hingewiesen – und fiel vom Hocker. Beim Durchlesen war ich eher der Meinung, dass Scientology selbst deren Inhalt verfasst hatte.

Als ich mir dann ansah, wie viele Menschen pro Tag diese Seite aufrufen, fiel ich nicht mehr vom Hocker, da ich schon am Boden saß: Um die 1.500 Zugriffe des Stichwortes Scientology findet nach wie vor statt – heute nicht weniger als damals!

Hier der aktuelle Screenshot …

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Von so vielen Kontakten können allte Scientology-Organisationen im deutschsprachigen Raum zusammen nur träumen – und dann wurde ihnen diese Basis geboten?

Für mich bedeutete das, dass ich die nächsten Monate 2014 damit verbrachte, mich mit der Materie Wikipedia auseinanderzusetzen. Völlig blauäugig ging ich an die Sache heran, dachte mir, meine Expertise einbringen zu können – und wurde sehr rasch mit der Realität dieser „freien Enzyklopädie“ vertraut gemacht.

Ich wollte im ersten Schritt als sogenannter Autor beim Artikel Scientology agieren und die Einleitung des Artikels bearbeiten. Ich traf dann u.a. auf Homer Landskirty, Markus Heesch, Gustav von Aschenbach und andere Figuren aus dem Reich der Wikipedia, wurde derart relativ rasch gesperrt, sozusagen meine Mitarbeit verunmöglicht und lernte damit auf die Harte, was es heißt sich mit Wikipedia zu beschäftigen. Ich war nichts böses ahnend als Wilfried Handl aufgetreten und musste letztendlich froh sein, dass es mir gelang, das bis dahin an oberster Stelle prangende „Scientology-Kreuz“ von ebendort wegzubekommen und durch das neutralere Scientology-Zeichen zu ersetzen. Dagegen konnte selbst Homer Landskirty nichts einwenden. Und mir gelang noch ein weitere zarter Hinweis, der bis heute überlebt hat.

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Erstes Fazit: Jede Menge mehr oder weniger anonyme „Autoren“ wachten eifersüchtig über den einmal geposteten Text und verstanden es „meisterhaft“, die von Wikipedia sinnvollerweise ausgedachten Regeln für ihre Agenda einzusetzen. Ein Beispiel: Ich änderte einen Passus und postete diesen im Artikel. Dann folgte von einem anderen Mitautor die Löschung aus irgendeinem Grund, nicht sinnvoll, nicht gewollt usw. Wenn ich den Text dann nochmals postete wurde mir mit Editwar gedroht, einem Krieg der Wörter und ich wurde ganz dann auch sehr rasch gesperrt. Nix da mit Expertise oder was auch immer.

Ich musste also die Strategie ändern. Obwohl ich lediglich vorhatte neutrale Definitionen oder nicht in Frage zu Stellendes zu verwenden, änderte ich meine Wikipedia-ID vom Wilfried J. Handl in Arthur Pewtey jr. und beschäftigte mich im ersten Schritt mit Randthemen zu Scientology. Derart sind einige Artikeln zu diesen Nebenthemen enstanden, die „Verteidiger“ des Hauprartkels waren scheinbar beruhigt und es gab ja noch eine Fülle von Stichworten zu Scientology.

Derart sind bei Wikipedia – amputierte – Artikeln zu folgenden Themen entstanden, die es immer noch gibt: Church of Spiritual Technology, Clear (Scientology), Commodore’s Messenger Org, Fair Game (Scientology), Introspection Rundown, Scientology Int. Base. Vielleicht waren es auch mehr, zumindest finde ich aktuell keine, aber bei einem weiß ich es sicher, dass er zuerst bis zur Unkenntlichkeit gekürzt und dann galant von den Wikipedianern entsorgt wurde: Der Selbstmord des Sohn von Hubbard, Quentin, der den Wikipedianern scheinbar genauso unangenehm war, wie Scientology.

Unabhängig davon hatte ich aber dabei jemand „kennengelernt“ gegen den Homer Landskirty ein fast freundlicher Zeitgenosse war: JD, der genauso eifersüchtig über Formulierung von mir wachte, die Scientology betraf. Bei der „Behandlung“ dieser ging er – gelinde ausgedrückt – rigoros vor.

Ein Beispiel: Der Begriff Fair Game ist ein ganz wesentlicher Aspekt, um Scientology zu beschreiben. Ich schrieb also zuerst eine geschichtliche Betrachtung, die in groben Zügen immer noch steht. Danach folgte eine Auflistung von Beispielen in der Praxis, wobei ich sie nach „Korrekturaufforderung“ als angebliche titulierte Das Ganze sah dann so aus:

Doch dann kam JD und sämtliche Beispiele wurden ganz einfach gelöscht und sind nicht mehr auffindbar – man kann sie nur mehr in der Versionsgeschichte nachlesen.

Ich habe es dann in weiterer Folge aufgegeben, mit Wikipedia zu arbeiten bzw. etwas zu verändern – war irgendwie zu kafkaesk.

Im Zuge meiner Beschäftigung mit Wikipedia stellte ich dabei einige „Dinge“ bzw. Herrschaften fest: Hauptautor des Artikels Scientology ist Fossa, auf Wikipedia und Thomas König im wirklichen Leben, der auch kein Hehl daraus macht, den Artikel Scientology „adoptiert“ zu haben. Inwieweit König/Fossa noch unter anderem Namen unterwegs ist, kann ich nicht sagen.

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Hauptquelle des Artikels ist Gerald Willms, der überwiegend genannt wird – wie auch andere Scientology affine „Religionswissenschaftler“, wie J. Gordon Melton oder Eileen Baker.

König und Willms sind Soziologen, befreundet und arbeiteten zumindest in der Vergangenheit in der gleichen Firma (aQua – Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH).

Aber auch Scientology hat an Willms ihre Freude und widmete ihm u.a. ein spezielles Laudatio durch den Scientology-Blogger eine Lobpreisung …

03 20032014 Scientology-Blogger Gerald Willms

Und was ist die Moral von der Geschicht‘?

Der Wikipedia-Artikel liest sich immer noch mehr oder weniger im Sinne von Scientology- obwohl eine leichte Verbesserung feststellbar ist.

Homer Landskirty , JD & Co. sind nach wie vor zugange und täglich 1.500 Internet-User greifen auf den Artikel auf Wikipedia zu – und erhoffen sich eine umfassende Information – aber wie man so schön auf Wienerisch sagt: schmecks 😉

VICE war das Ganze einen Artikel wert und Neo Magazin Royale befasste sich mit Wikipedia im allgemeinen … ;.)

Foto: Süddeutsche