Sie hat zwar bereits einige Jahre auf dem Buckel, ist aber heute noch genauso aktuell wie im Jahr 2012: Die Doku über das Office of Special Affairs und dessen Machenschaften. Ursprünglich von ARTE ins Bild gesetzt, übernahm die ARD den Film dann mit anderen Schwerpunkten.

FOCUS zur ARTE-Doku: „Das Office of Special Affairs – Der Scientology-Geheimdienst. Die Scientologen geraten auf Entzug – von Mitgliedern, Führungskadern, von Geld und damit Macht. Mit faschistoiden Mitteln kämpft die so genannte ‚Kirche‘ um’s Überleben

Die Scientologen waren einmal das Schreckgespenst westlicher Demokratien. In den 80er- und 90er-Jahren saßen ihre deutschen Chefideologen mit stechendem Blick in den Talkshows und vermittelten den Eindruck, ihre so genannte Kirche sei unaufhaltsam. Berühmte Hollywood-Stars standen Pate für die Ersatzreligion, die versprach, das Ego ihrer Gläubigen aufzumöbeln und sie damit zu beruflichem Erfolg zu führen. Sektenbeauftragte und Verfassungsschützer warnten unisono vor den faschistoiden Methoden, mit denen Scientology gegen interne Abweichler und äußere Gegner vorging.

Zwei Jahrzehnte später sieht die Sache schon ein bisschen anders aus. Vor allem die US-Zentrale ist in Auflösung begriffen. Immer weniger Menschen wollen ‚clear‘ werden. Führungskader verlassen die Organisation. Ihre deutsche Kolonie versinkt langsam in der Bedeutungslosigkeit. Womöglich waren die Ego- und Gehirnwäscher niemals so bedeutend, wie sie einst erschienen. Der Science-Fiction-Autor und Kirchengründer L. Ron Hubbard jedoch hatte einst das Office of Special Affairs gegründet, den Stasi-artigen Geheimdienst der Sekte, der das ‚Überleben von Scientology‘ sichern sollte.

Und genau um dieses Überleben kämpft die Truppe inzwischen. Wer Diktaturen im Verfall kennt, weiß auch, dass sterbende autoritäre Regime meist noch mal zu todbringenden letzten Zuckungen fähig sind. Das Schreckgespenst Scientology zeigt noch einmal seine gruselige Fratze. Die Arte-Dokumentation ‚Das Office of Special Affairs‘ hat die teuflisch perfide Visage auf den Bildschirm geholt. Zurecht lassen Verfassungsschützer sie bis heute nicht aus den Augen. …

Korrekter benennt der ehemalige bayerische Innenminister und Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) die Umgangsformen der Scientology-Geheimen: Ihre Überwachungssysteme seien denen der DDR-Staatssicherheit vergleichbar. Das Arte-Kamerateam bekam dies direkt zu spüren. Bei den Dreharbeiten wurden sie mehrfach von OSA-Mitarbeitern angegriffen, Tätlichkeiten waren auch im Doku-Film zu sehen.“

In der ARD lief dann eine veränderte Fassung mit anderen Schwerpunkten – die TAZ dazu: „So schlimm wie gedacht – Wozu braucht eine Glaubensgemeinschaft einen Geheimdienst? Die Doku Die Spitzel von Scientology geht dieser Frage nach.

Das Akronym OSA – für Office of Special Affairs – unterscheidet sich nur in einem Buchstaben von OSS, der CIA-Vorgängerorganisation. Man will also gern glauben, dass das ‚Presse- und Rechtsamt‘ tatsächlich ‚der älteste und größte private Geheimdienst der Welt‘ (ARD) ist.

‚Wir wollen mehr über diese Spezialabteilung der Sekte wissen und haben über ein Jahr recherchiert: Wozu braucht eine Glaubensgemeinschaft einen Geheimdienst – und was sind seine Aufgaben?‘, tönt es zu Beginn im vertrauten Jargon des öffentlich-rechtlichen Fernsehjournalismus. ‚Die Spitzel von Scientology‘ heißt der Film – auf Arte lief bereits Mitte Mai und in anderer Fassung. Im Sommer hat dann auch die ARD Zeit für Dokumentarisches in Spielfilmlänge.

Der Macher eines dokumentarischen Films heißt oft Autor, manchmal Regisseur – eine terminologische Verwirrung, zu der diese Doku beiträgt, indem sie zwischen Autor – Frank Nordhausen – und Regie – Markus Thöß – differenziert.

Gemeinsam düsen beide um die halbe Welt, fahren Auto, telefonieren, schreiben Mails und singen das Hohelied der investigativen Recherche. Sie sprechen mit Scientology-Opfern und -Aussteigern, von beiden scheint es viele zu geben. Sie sprechen sogar mit einem Ex-OSA-Chef. Sie sprechen mit Politikern in Deutschland, Griechenland, Russland – bei 35 US-Politikern, die so gern ihre schützende Hand über Scientology halten, blitzen sie mit ihren Interviewanfragen ab.

Der Film macht plausibel, was man sich schon dachte: dass es sich bei Scientology um eine bösartige, verachtenswerte, totalitäre Pseudo-Kirche handelt.“

In der ARD-Mediathek findet man die Doku ebenfalls noch – hier zu finden …

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