Während Österreich unter der heftigsten Hitzeperiode seit Jahren stöhnte, übersah ich etwas: Scientology strich die Segel in einem neunjährigen Prozess gegen den Psychokult und flüchtete in eine außergerichtlichen Vergleich.

Laura DeCrescenzo ist ein ehemaliges Mitglieder der paramilitärischen Sea Org, war zu einer Abtreibung genötigt worden, verließ den Kult und klagte anschließend u.a. wegen dieser erzwungenen Abtreibung. Der Scientology-Geheimdienst aka Office of Special Affairs (OSA) setzte daraufhin ihre Anwälte usw. in Bewegung und ließ nichts unversucht, um die Klage von DeCrescenzo vor Gericht zu verhindern – bzw. ein entsprechendes Urteil.

Am 13. August 2018 wäre es dann soweit gewesen, dass man sich im Gerichtssaal getroffen hätte. Ende Juli „reagierte“ Scientology und unterbreitete den Anwälten von DeCrescenzo eine außergerichtliche Vereinbarung – Tony Ortega berichtete (der Artikel ist zu den Details verlinkt). Über den Inhalt dieser „Vereinbarung“ ist nichts bekannt, aber man kann davon ausgehen, dass der Scheck ziemlich groß gewesen sein muss, um den Prozess zu verhindern siehe dazu auch FoxNews ….

Und was ist die Moral von der Geschicht‘?

Die Paramilitärs aka Sea Org sind in Mitteleuropa weitgehend unbekannt. Es gibt sie in unseren Breiten nur in Kopenhagen und südlich von London. Die rund 5.000 „Parade“-Scientologen gibt es hauptsächlich in den USA.

Andererseits stellen sie aber die Kerntruppe des Psychokonzerns dar – sämtliches Führungspersonal rekrutiert sich aus den Paramilitärs. Und: Sie „verwalten“ die mittlerweile ziemlich aufgeblähte Kriegskassa, die allein im Hinblick auf das Barvermögen über eine Milliarde Dollar verfügen soll. Die 20 oder 30 Millionen, die DeCrescenzo und ihre Anwälte einstreiften, fiel bei Scientology ganz sicher nicht ins Gewicht.

Was aber eintreten könnte: Wenn ihr Fall Schule machen würde. Es gibt nämlich eine ganze Menge an ehemaligen Mitgliedern der Sea Org, die das Schicksal von DeCrescenzo teilen. Frei nach der Devise Kleinvieh macht auch Mist, könnte derart eine Lawine los getreten werden, die den Psychokult letztendlich begraben könnte!

Laura DeCrescenzo
Laura DeCrescenzo ist mittlerweile stolze Mutter geworden …

Ich finde es zwar Schade, dass DeCrescenzo den Prozess samt Verurteilung von Scientology nicht durchgezogen hat, aber ich kann es auch gut nachvollziehen, was es bedeutet, als ehemaliges Mitglied in einem Prozess gegen den Psychokult zu bestehen bzw. diese Zeit durchzustehen. Die „Herrschaften“ ziehen alle Register – und haben hinter sich das Bargeld, um sich das leisten zu können.

Ihr Vorgänger war Larry Wollersheim, der Scientology u.a. wegen Gehirnwäsche und emotionaler Misshandlung verklagte und 22 Jahre lang [sic] prozessierte, um letztendlich inklusive Zinsen 8,7 Millionen vom Gericht zugesprochen zu bekommen.

Im Gegensatz zu DeCrescenzo kam es aber zu einem Urteil – und das ist der angesprochene Wermutstropfen bei der Sache.

larry-wollersheim

Zur Abrundung einige „Details“ – „ereignet“ in den Jahren 1980 bis 2002:  „Neben der Verzögerungstaktik, die zum Ziel hatte, Wollersheim in den Bankrott zu treiben, wurden seitens Scientology auch andere Mittel eingesetzt. So wurde das Haus des Anwalts von Wollersheim, Charles O’Reilly, verwanzt und ein Agent in dessen Anwaltskanzlei platziert. Gegen Reilly selbst und dessen Leibwächter setzte man weibliche Lockvögel ein. Auch der Richter im Prozess, Ronald Swearinger, wurde unter Druck gesetzt: „Ich wurde beschattet, meine Autoreifen wurden aufgeschlitzt und mein Collie ertrank im Pool.“ Auf den homosexuellen Sohn des Richters wurde ein minderjähriger Sexpartner angesetzt.“